Teil V - Ich will die Sterne fangen und sie in ein Milchglas schütten.

Nun habe ich einen weiteren Brief geschrieben, den ich nicht abschicken konnte.  Verflucht hängt der Himmel tief und die Wolken kratzen. Der bärtige Mann schaut mich verdreistet an und ich trinke Milch. Ich will die Sterne in ein Milchglas schütten. -

Der Himmel trübt sich wie als ob es keine Sonne gäbe. Ich weiß nicht... Hängt der Himmel tief oder stehen die Berge hoch? Mir ist so lächerlich zumute.

Ich lausche den Türen, die aufquietschen und zufallen. Da gehen viele ein und aus, nur in diese dunklen Räume, da geht niemand hinein. Wenn ich jetzt nur wüsste...

Das ist schon recht wunderbar: Alles. Da hab ich mir die kugelsichere Weste angelegt und bewaffne mich mit Gleichgültigkeit. Hebe ein Glas auf die Ignoranz und trinke schwarze Milch. Ich will die Sterne fangen und sie in ein Milchglas schütten... Wenn wir dann Kaffee trinken, bekommst du einen weißen Bart. Und die Wolken kratzen nicht mehr.

Wir sind unschuldig. Als wären wir unschuldig. Wir sind es niemals. (Aber die Welt ist auch nicht Schwarzweiß .

 

 

Teil VI - Und hier: Ein Kamel.

Tropfen fallen auf den staubigen Weg. Den Namen des Wasserfalls kann er ihr nicht nennen. Zwei Kamele schauen sie an. Und der Mann ist das dritte.

Für ein `Foto verlangt er Geld. So gibt es kein Foto von den Kamelen. Der Wasserfall ist mickrig, aber groß genug, um in ein weißes Rauschen zu tönen.

Sie kramt den Zettel raus. Das dritte Kamel starrt sie an. Sie muss etwas sagen, irgendwas. "Was glotzt denn so," hört sie sich zu ihrem eigenen Entsetzen sagen.

Der Wasserfall. Die Hitze über dem Staub. die Narzissen am Wegesrand. Und die Kamele. Vielleicht war sie ja das dritte und der Mann, der starrende, der fragende, er ist der Mensch unter dieser Ansammlung von Kamelen. Da stolzieren sie alle, verwöhnte und dennoch unzufriedene Touristen, gelangweilte Touristen, profitgierige Einwohner, selbstgefällige Reiseleiter und sie mittendrin: als Kamel.

"Wenn sie dann Geld bekommen für ein Foto mit mir: Ich hätte gerne 20 Prozent." Der Mann schaut sie lächelnd an: "Si, ja, oui,  bien sur - (es ist ganz egal): 15 Prozent." "Was denken Sie, wie billig ich bin?", fragt sie entrüstet. "Sehr," sagt er: "So billig wie jedes Kamel."

 

 

 

Teil VII - Und würdest du mich halten - Nur einen Seufzer lang.

Ich lasse das Kind fallen. Schaue zum Busch. Hänge die Schultern tiefer und zehre mich dorthin. Setze mich zu den Narzissen. Pflücke sie und singe ein Lied.

Die Menschen schauen beim Vorrübergehen, werfen verächtliche, werfen fragende, werfen staunende Blicke auf mich. Einer pflückt mich und stellt mich in eine Vase: Bestaunen Sie dieses Objekt.

Ich halte die Narzissen in der Hand und bestaune sie. Vielleicht sollten wir ein Weilchen von Veilchen...

Denn als du mich liebtest, war mein Herz violett, nein: rosa. Zartrosa. Und so zerbrechlich. Aber jetzt bin ich stolzgelb. Und dennoch... Hier, so ganz allein unter den Blicken der Starrenden zertreten, in Glas gestellt und surrounded bei Nichts, was bleibt mir da... Was bleibt mir da, als zu träumen, ich wäre ein Veilchen... Und du würdest mich halten... Nur einen Seufzer lang.

Jedoch: Ich wünsche mir Zerstörung und Niederschmetterung... Aber einen Seufzer lang. Da würd ich gern.

Ich lasse das Kind fallen. Es war meines. Es war wohl die Liebe. Sie wurde geboren und ich habe Mord begangen. Ich hänge die Schultern tiefer und zehre mich dorthin. Irgendwohin. Schuld zeichnet meine Schritte. Da bleib ich sitzen, surrounded bei Nichts und singe ein Lied

und würdest... Und würdest du.... Und würdest du mich halten... Und würdest du... Nur einen Seufzer lang.

Aber ich bin kein Kind. Ein Kind würde gehalten und es würde wachsen. Ich jedoch, mein Guter, ich kann nur welken.

1.4.07 13:21

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