Spuren der Sehnsucht.

Vorwort

Das Leben ist: bunt. Von knallrosa bis schwarz.

Im Grunde genommen sind wir gefangen: Zwischen schwarz und weiß. Und das bisschen Farbe - das gibt uns nur die Liebe.

 

Teil I - Wohin nur

Meine Hände bluten und ich habe mir die Augen rot gerieben. Zuerst hab ich sie mir schwarz gemalt, aber das hat auch nichts gebracht und dann ist die schwarze Farbe in mich hinein gelaufen. Meine Augen seien so tief und so schwarz, sagte jemand, dessen Augen so hell und so wach waren.

Meine Sinne sind wund. Wundgeschürft. Wundgerieben.

.

Besser Blut als Trümmer, denke ich.

Ich begleiche die Taubheit meines Mundes mit dem Kribbeln in meinen Händen und wünschte, es wäre alles ganz anders...



Weiß nicht mehr, wie ich vom Schmerz schreiben soll, außer ihn beim Namen zu nennen und ich weiß schon: Man sollte schweigen und sterben.

 

 Teil II - Mehr als alles und weniger als Nichts

Die Zeit hab ich vergessen. Die Zeiger wollen auch nicht mehr.

...

Sie starrt ihn an. Er starrt sie an. Sein Starren ist starrsinniger und so starrt sie den Boden an.
"...," sagt er und sie schweigt den starrenden Boden an.
An diesem Komma der Kommunikation scheitern sie immer, denn es ist nicht zu begreifen.
Sie hat noch keinen Namen für ihn, und so nimmt sie ein leeres, weißes Stück Papier und sprengt den Rahmen.



Am Abend.23:00uhr (vielleicht). Die Kälte ist laut.

Ich decke mich zu. Ziehe die Kälte aus mir raus. Bin eingeschlafen mit versenk/gten Augen. Es wird nicht warm. Bin zweibedeckt allein. Als ich dir die Hand (hin)hielt, bist du erfroren. Einfältig genug beschließe ich und verwerfe Zweifel.

 

 

Teil III - Nach dem Herzsturm: Atemwende.

Das ist kein Spiel, nicht wahr? Wir haben die Schachfiguren matt gelegt. Die Bauern tasteten sich suchend vor. Schwarzweiße Welt, wir trinken dich.

Szenenwechsel. Alles geht viel schneller. Po(e)siere dich und lächel in das Bild hinein. Sag: Ameisenscheiße.

Du hast Orangen vom Markt geholt. Ich entschäle sie. In das Paket hast du die Süßigkeiten gelegt. Die Freude war süßer, doch die Schokolade war zäh. Ich breche den Spiegel entzwei und lächel ins Nichts. Dort strahlt mich die Sonne an...



Atemwende.

Über den Boden hebt sich
deine Spur. Dein Duft hat sich verweht.
Wenn ich mich vorwärts erinnere
ist es immer zu früh. Nie zu spät.

Die Pinienbäume wolln
stumme Zeugen sein.
Wir gehen in kleinen Kammern
uns suchend herzein.

Und über die Wände reißt sie sich
aus. Kein Sehnen mehr
gäb sich wendend noch
diese Sehnsucht her.

1.4.07 13:07, kommentieren

Teil IV - Ein Paket für die Sehnsucht

.Was bleibt uns mehr als das Leben zu leben mit denen, die leben.

Das Schlimme ist: Ich tue nicht nur so als ob. - Sind wir alle Verlorene? Nein, wir sind es nicht. Verloren sind wir nur allein. Alle sind niemals allein.

Ich verpacke die Sehnsucht, bruchsicher. Hülle sie in wattebauschige Stoffe und verschnüre das Paket vierfach. Adressiere es mit zitternder Schrift:


Abs:
Frau Dämlich
Verlorenenallee 2
21222 Verlorenenstadt

Jederland



An:

Herr Lich
Niemandstr. 0

00000 Sehnsuchtsstadt

Niemandsland.



Der Postmann schaut mich an als wäre ich die Weihnachtsfrau ohne Bart. "Nein, es ist kein Witz," sage ich, "ich meine das todernst." "Hä?", lacht er mich an: "Jaja..."

"Lecken Sie sich doch selber," denke ich: "Ich muss das los werden, verstehen Sie?" sage ich laut. Nein, er versteht nicht.

Das Ganze ist aussichtslos. Ich muss die Hoffnung hervorkramen und wühle wild in meiner Handtasche: "Bitte," sage ich, "sehen Sie, ich habe nur noch eine davon," und halte ihm die Hoffnung hin.

Der Mann grunzt. Oder lacht. Oder schnauft.

"Schicken Sie es an den Nordpol," sage ich. "Aber nein, das ist nicht weit genug," füge ich schnell hinzu. "Schicken Sie es lieber..." "Also jetzt hören Sie mal!" unterbricht er mich. "Halten Sie jemand anderen zum Narren. Hinter Ihnen zischt die Schlange..." "Eben darum," unterbreche ich ihn, "tun Sie mir doch den Gefallen..." Ich frage mich, warum dieser Mann nur so unbarmherzig ist und wieso ich es nicht gelernt habe, irgend welche Reize einzusetzen, wenn es nötig wäre.

"Sie müssen das schon genauer addressieren," sagt er.

Schweigen.

"Achso," sage ich.

"Kennen Sie denn nicht den Namen des Empfängers? Nun, dass Sie Frau Dämlich sind, das glaube ich Ihnen ja sofort, aber die Addresse des Empfängers, ja, das geht halt nicht, dass wir das nach Niemandsland schicken, verstehen Sie, da müssten Sie schon weiter träumen."

"Achso," wiederhole ich.

"Ja, so. Also, was ist nun?"

"Mh, nein." sage ich enttäuscht. "Der Name ist mir entfallen. Alles ist mir entfallen, verstehen Sie. Nur die Sehnsucht, die ist noch da."

"Tja, Kleines," seufzt er verständig. "Die Sehnsucht richtet sich nicht Nirgendwohin, sie hat ein Ziel. Wenn es Ihnen entfallen ist, dann erinnern Sie sich. Erinnern Sie sich noch mehr. Dann kommen Sie wieder."

1.4.07 13:17, kommentieren

Teil V - Ich will die Sterne fangen und sie in ein Milchglas schütten.

Nun habe ich einen weiteren Brief geschrieben, den ich nicht abschicken konnte.  Verflucht hängt der Himmel tief und die Wolken kratzen. Der bärtige Mann schaut mich verdreistet an und ich trinke Milch. Ich will die Sterne in ein Milchglas schütten. -

Der Himmel trübt sich wie als ob es keine Sonne gäbe. Ich weiß nicht... Hängt der Himmel tief oder stehen die Berge hoch? Mir ist so lächerlich zumute.

Ich lausche den Türen, die aufquietschen und zufallen. Da gehen viele ein und aus, nur in diese dunklen Räume, da geht niemand hinein. Wenn ich jetzt nur wüsste...

Das ist schon recht wunderbar: Alles. Da hab ich mir die kugelsichere Weste angelegt und bewaffne mich mit Gleichgültigkeit. Hebe ein Glas auf die Ignoranz und trinke schwarze Milch. Ich will die Sterne fangen und sie in ein Milchglas schütten... Wenn wir dann Kaffee trinken, bekommst du einen weißen Bart. Und die Wolken kratzen nicht mehr.

Wir sind unschuldig. Als wären wir unschuldig. Wir sind es niemals. (Aber die Welt ist auch nicht Schwarzweiß .

 

 

Teil VI - Und hier: Ein Kamel.

Tropfen fallen auf den staubigen Weg. Den Namen des Wasserfalls kann er ihr nicht nennen. Zwei Kamele schauen sie an. Und der Mann ist das dritte.

Für ein `Foto verlangt er Geld. So gibt es kein Foto von den Kamelen. Der Wasserfall ist mickrig, aber groß genug, um in ein weißes Rauschen zu tönen.

Sie kramt den Zettel raus. Das dritte Kamel starrt sie an. Sie muss etwas sagen, irgendwas. "Was glotzt denn so," hört sie sich zu ihrem eigenen Entsetzen sagen.

Der Wasserfall. Die Hitze über dem Staub. die Narzissen am Wegesrand. Und die Kamele. Vielleicht war sie ja das dritte und der Mann, der starrende, der fragende, er ist der Mensch unter dieser Ansammlung von Kamelen. Da stolzieren sie alle, verwöhnte und dennoch unzufriedene Touristen, gelangweilte Touristen, profitgierige Einwohner, selbstgefällige Reiseleiter und sie mittendrin: als Kamel.

"Wenn sie dann Geld bekommen für ein Foto mit mir: Ich hätte gerne 20 Prozent." Der Mann schaut sie lächelnd an: "Si, ja, oui,  bien sur - (es ist ganz egal): 15 Prozent." "Was denken Sie, wie billig ich bin?", fragt sie entrüstet. "Sehr," sagt er: "So billig wie jedes Kamel."

 

 

 

Teil VII - Und würdest du mich halten - Nur einen Seufzer lang.

Ich lasse das Kind fallen. Schaue zum Busch. Hänge die Schultern tiefer und zehre mich dorthin. Setze mich zu den Narzissen. Pflücke sie und singe ein Lied.

Die Menschen schauen beim Vorrübergehen, werfen verächtliche, werfen fragende, werfen staunende Blicke auf mich. Einer pflückt mich und stellt mich in eine Vase: Bestaunen Sie dieses Objekt.

Ich halte die Narzissen in der Hand und bestaune sie. Vielleicht sollten wir ein Weilchen von Veilchen...

Denn als du mich liebtest, war mein Herz violett, nein: rosa. Zartrosa. Und so zerbrechlich. Aber jetzt bin ich stolzgelb. Und dennoch... Hier, so ganz allein unter den Blicken der Starrenden zertreten, in Glas gestellt und surrounded bei Nichts, was bleibt mir da... Was bleibt mir da, als zu träumen, ich wäre ein Veilchen... Und du würdest mich halten... Nur einen Seufzer lang.

Jedoch: Ich wünsche mir Zerstörung und Niederschmetterung... Aber einen Seufzer lang. Da würd ich gern.

Ich lasse das Kind fallen. Es war meines. Es war wohl die Liebe. Sie wurde geboren und ich habe Mord begangen. Ich hänge die Schultern tiefer und zehre mich dorthin. Irgendwohin. Schuld zeichnet meine Schritte. Da bleib ich sitzen, surrounded bei Nichts und singe ein Lied

und würdest... Und würdest du.... Und würdest du mich halten... Und würdest du... Nur einen Seufzer lang.

Aber ich bin kein Kind. Ein Kind würde gehalten und es würde wachsen. Ich jedoch, mein Guter, ich kann nur welken.

1.4.07 13:21, kommentieren

Teil VIII - "Aber das mit uns, das ist das, was du nicht in Büchern findest."...




Als er ihr das sagte, locker und lässig wie immer, mit gelben T-Shirt und einer beigefarbene kurzen Hose an einen kräftigen Kirschbaumstamm gelehnt, wurde sie kurz nachdenklich und vertiefte sich dann wieder in ihr Buch.

"Soll ich dir was vorlesen," fragte sie ihn und schaute ihn an, wie er sich fast gelangweilt eine weitere Kirsche vom Baum pflückte und in den Mund steckte.

"Nein, Maus, du sollst mit mir REDEN."

"Warte, ich lese nur noch diesen eine Satz zu Ende!"

"Das muss ja ein unglaublich langer Satz sein, denn das geht nun schon," ... er schaute auf die Uhr, als wäre es nötig auf die Uhr zu schauen, "eine viertel Stunde so."

"Du übertreibst," sagte sie und musste lachen.

"Worum geht es denn in deinem spannenden Buch?"

"Um Liebe."

"Um Liebe?!", lachte er laut. "Geb ich dir davon denn nicht genug?"

"Oh doch, " sagte sie, "aber es geht um andere Liebe."

"Wie meinst du das denn bitte? Du wirst mich doch wohl nicht betrügen.. Mit einem Buch?"

Wieder musste sie lachen. Sie liebte sein schelmisches Funkeln in den Augen und sein verschmitztes Grinsen.

"Ich würde dir ein Buch widmen, wenn ich eins schreiben könnte, weißt du. Es geht um die Liebe zu Büchern, um die Liebe zum Wort und um die Liebe zur Musik. Es geht um die Liebe zur Liebe und es ist eine einzige Liebeserklärung. Das Buch heißt >>Wenn ein Kind an einem Sommermorgen."

"Aha." Verständnislos und erwartend schaute er sie an. "Wer hat denn dieses schöne Buch geschrieben," fragte er, als er merkte, dass sie keine Anstalten machte, fortzufahren.

"Roberto Cotreno. Er hat es für seinen Sohn geschrieben. Er hat es ihm gewidmet, es ist ein Buch nur für seinen Sohn.

"Und das darfst du lesen?", fragte er grinsend.

"Na klar, der gute Mann verdient Geld, weil Menschen wie ich seine Bücher lesen. Auch wenn es nur für seinen Sohn ist. Aber ich glaube, gerade weil es ein Buch nur für seinen Sohn ist, ist es ein so gutes Buch. Es geht auch um Verlust und das Verlieren. Es spricht von dem Buch "Der Untergeher" von Thomas Bernhard, von einem Mann, der in der harten Welt der Pianisten nicht überleben kann, weil er die Kunst nicht mit Liebe betreibt und skizziert an anderer Stelle einen Menschen, der seine Angst nicht überwinden kann und so ohne die Frau und ohne die Liebe seines Lebens bleibt, einsam, verkorkst und unglücklich. Es geht um Feigheit und um Mut und es geht um Poesie. Und es geht um das Kleine und es geht darum, keine Angst vor dem Großen zu haben."

"Maus, wie wär's du nimmst jetzt diese kleine Kirsche in deinen hübschen Mund. Dann küsst du mich und legst das Buch zur Seite," .. und ohne auf ihr protestierendes Gebähren zu achten, nahm er es ihr aus der Hand und küsste sie.

"Na sowas, du bist ja ganz still auf einmal. Dabei bist du doch sonst nicht auf den Mund gefallen," sagte er, sie grinsend anschauend. "Ich hab dir doch gesagt, Maus. Das mit uns, das ist das, was du nicht in den Büchern findest."

1.4.07 13:24, kommentieren

Teil IX - Ich halt in einem Sehnen inne.

Das Wort rettet nicht, aber was überhaupt kann retten?

...

Ich habe wirklich keinen Grund mehr. Bedenk mich nurmehr mit Wörtern. Als könnten sie! In Wahrheit ist es ganz anders: Gift und Galle spuck ich mit dem Blut aus meinem schmerzenden Mund.

Ich verfüßige mich, darum bemüht, fort-zukommen. Jedoch: fort wovon? ...wichtiger: wohin?

Ich vermute, dass der Himmel schwerer atmet: Er atmet schwer und legt sich auf die Dächer, auf die hohen und auf die tiefen, auf die langen, auf die roten, auf die grünen, auf die flachen und auf die Spitzen und macht sie alle blau. Und derweil hab ich mein herzblau geschmiert. An alle Wände. [Und die Berge schauen grau aus zu dichten Wolken.]

Die Steine trag ich mit mir - an den Ohren, um den Hals: In der Brust.

Zu gehen ist seliger. Bleiben bedeutet Sterben. Ich richte mich ungern ein. Das wird nur weh tun: wenn nicht heute, dann morgen. - .. Ich verteile zu viel Schuld auf zu viele Schultern. Die Raben nisten sich auch tiefer ein. Sogar die Bäume sinken. [Da bleibt kein Platz.]

Sie haben das Grün der Terrasse beschnitten und geben Sicht frei. Der Alte sitzt noch immer auf den Steinen und wartet, bis die Äpfel fallen. - Kein Reichtum fällt.

Ich habe Grün über Grün gemalt. Derweil: Die Wände waren schon blau.. Der Rest ist braun. Alles andere mutet mir zu bunt an: Knallrosa bis schwarz. Hier jedoch ist es weiß wie das Geschirr hinter den Gardinen und ebenso kalt. Schweden ist weit. Und alles andere auch. Und so... weiter ....

Ich setze mich. Punkte sind gerne gesetzt. Sie verhindern. Das Denken. So wie: Steine. Ich denke: Kurzatmig. Das Leben ist kurzatmig.

Derweil muss ich durch blaue Wände atmen. An Bergen vorbei. Atme tiefer ein, so dass sich die Steine heben. Sie könnten mich zerreißen. Die in der Brust. [Und  ein Feuerwerk würde im Nebel aufgehn.] -

Ich pflücke noch ein bisschen Farbe, derweil ich finde, dass das Leben nicht genug ist: Nicht genug für das. Wer würde es schon wagen, sich in aller Verzweiflung niederzuwerfen und mit zitternden Lippen stinkende Füße zu küssen und mit Tränen dreckige Schuhe zu säubern.

Gewiss. Das gibt's nur im Theater. Punkt. Endlich.

1.4.07 13:26, kommentieren

Teil X - Nonsens.

Der Schmerz hat sich in meine Augen gegraben. Dort dreht er Tänze mit meiner Müdigkeit. Der kleine Vampir bleibt ungehört und alles andere auch.

Mir fallen Worte ins Herz. Gewiss: Nur Lautmusik. Aber sie sprechen. Ich staune ob meiner Stummheit. Zeichne Fragezeichen in flüssige Sahne.

Der Bodensatz festigt sich, je weiter die  Zeiger schreiten. Time ist auch nur eine Erfindung. Sie könnte rund sein.

Ich überzeuge mich davon, dass es Osterhasen gibt. Der Weihnachtsmann lebt ja schließlich auch. Ich finde durchaus Sinn in diesem Nonsense. Bedenke, dass Decken geschaffen sind, um zuzudecken. [Wundere mich ob der Schreibung] -  Der Mensch sehnt sich nach Wärme. Schließlich.

Nicht mehr lesen möcht ich. Lass mir viel mehr erzählen. Das Leben schreibt bessere Geschichten. Und dieser Schmerz... Betrinke mich an Medikamenten, die besser schmecken. Finde, dass Zigarettensprüche halten können, was sie versprechen. [Von Zeit zu Zeit: eher.]

Baumele mit den Beinen, während ich warte...- Zeit. ist schließlich auch. eine Erfindung.

1.4.07 13:28, kommentieren

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